Meine Geburtserfahrung in einer Privatklinik

Im 7. Monat brachte mein Frauenarzt zum ersten Mal das Thema Geburtsspital auf. Er informierte mich, dass er sowohl in der Klinik im Park als auch in der Klinik Bethanien als Belegarzt arbeite und dass er mir eine dieser beiden Kliniken empfehle, da ich ja halbprivat versichert sei.

Er meinte, dass seine Frau damals keinen so guten Versicherungsschutz gehabt hätte wie ich und ihn die Geburt seines Kindes über CHF 10’000 gekostet hätte. Sein Kind wäre allerdings in Würde auf die Welt gekommen, das war ihm wichtig.

Ich dachte lange über seine Worte nach, darüber, «in Würde» zu gebären. Ich entschied mich für die Klinik im Park und freute mich riesig auf die bevorstehende Geburt.

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Falscher Alarm – ins Spital und wieder nach Hause

Der errechnete Geburtstermin lag schon drei Tage hinter mir und ich hatte nur die üblichen kleinen Vorwehen, die ich schon seit mehreren Monaten regelmässig hatte. Der Spitalkoffer war längst gepackt, alles war organisiert, die Wohnung war gründlich geputzt, schliesslich braucht ein Neugeborenes eine saubere Umgebung. Da ich schon seit einer Woche nicht mehr arbeitete, hatte ich viel Zeit für Entspannungsübungen oder Spaziergänge. Jeden Abend machte ich zudem meine Hypnobirthing Übungen, um mich bei der Geburt in einen maximalen Entspannungszustand zu versetzen.

Am vierten Abend um 19:00 hatte ich das Gefühl, dass mein Schleimpfropf abgegangen war. Da ich auch leichte Wehen hatte, fuhren wir zur Sicherheit ins Spital, wo ich von einer Hebamme untersucht wurde. Falscher Alarm! Sie meinte, dass wir ruhig noch einmal nach Hause fahren könnten, dass die Geburt noch nicht eingesetzt hätte und es sich nicht um den Schleimpfropf gehandelt hätte.

Eine herausfordernde Geburt

Zu Hause angekommen fühlte ich mich zusehends schlechter. Wir gingen ins Bett, doch konnte ich nicht einschlafen. Ich hatte wieder Wehen und musste mich übergeben. Um 1 Uhr nachts weckte ich schliesslich meinen Mann, da es für mich immer schlimmer wurde. Wir fuhren in die Klinik. In der Tiefgarage parkte gerade auch ein Auto mit einer Schwangeren, die auch in den Wehen stand. Sie ging souverän und lächelnd in den Aufzug, mir hingegen verschlug es mit jeder Wehe den Atem und ich musste mich festhalten.

Als ich untersucht wurde, stellte man fest, dass der Muttermund noch fest verschlossen war. Diesmal ging der richtige Schleimpfropf ab und stärkere Wehen fingen an. Mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite und hielt meine Hand. Bei fast jeder Wehe musste ich erbrechen. Die Hebamme (eine von insgesamt vieren, die mich betreuten, bis das Baby da war) empfahl mir gegen den Morgen ein Schmerzlinderungsmittel, genannt Ultiva. Dieses ist nur während drei Minuten in der Blutbahn und man kann es sich selber per Knopfdruck initiieren. Dieses half mir sehr.

In den nächsten Stunden hörte ich mir Entspannungsübungen an. Leider konnte ich die zuvor gelernte Hypnobirthing-Atemtechnik nur sehr schwer anwenden. Ich versuchte, bei den Wehen lange und entspannt auszuatmen, aber es ging nicht. Die Wehen kamen alle 10 Minuten und waren für mich sehr schmerzhaft. Dabei öffnete sich der Muttermund nur minimal.

Am Nachmittag empfahl mir die Hebamme, ein Aroma-Bad zu nehmen. Dieses trug sehr zur Entspannung bei. Von da an drückte mein Mann jeweils vor jeder Wehe auf mein Zeichen den Ultiva-Knopf. Was hätte ich nur ohne ihn gemacht?! Am späteren Nachmittag meinte die Hebamme, dass es gut wäre, die Wehen mit einem Mittel, dem sogenannten Wehentropf zu verstärken, damit sich der Muttermund ganz öffnete. Da ich sowieso relativ schlecht auf die Wehen reagierte, nämlich mit Erbrechen, riet mir die Hebamme unter diesen Umständen zusätzlich zu einer PDA. Von da an waren die Schmerzen völlig weg. Ich spürte nichts mehr, die Wehen sah ich nur noch auf dem Bildschirm.

Irgendwann so gegen 18 Uhr abends liess die PDA nach. Dies war eigentlich auch gut, denn ich musste meine Beckenbodenmuskeln spüren in der letzten Geburtsphase. Da ich bis dahin das Fruchtwasser noch nicht verloren hatte, stach die Hebamme die Blase auf. Sie meinte, dass die Fruchtblase das Kind vielleicht blockiere, so dass es sich nicht richtig senken könne. Ich stand nochmal kurz auf mit Hilfe der Hebamme und ging auf die Toilette. Zurück am Geburtsbett hielten mich meine Beine bei der nächsten Wehe nicht mehr und ich sank auf die Knie. Links mein Mann, rechts die Hebamme. Sofort reagierte die Hebamme und holte blitzschnell eine spezielle Unterlage. Sie war darauf vorbereitet, dass das Baby bald kommen könnte.

Einige Minuten später war mein Frauenarzt da, der bis dahin mit der Hebamme telefonisch in Kontakt stand. Er sprach mir gut zu, dass er nun da sei und jetzt alles gut werden würde. Er meinte, dass das Fruchtwasser eine Verfärbung aufweise, welche auf einen beginnenden Sauerstoffmangel des Kindes hinweise. Da die PDA bei der Austreibungsphase noch leicht wirkte und ich nach über 19 Stunden Wehen fix und fertig war, konnte ich im entscheidenden Moment nicht pressen. Es war zu spät für einen Kaiserschnitt, deshalb kam unsere kleine Charlotte mit Hilfe der Vakuumhaube auf die Welt. Von der Ankunft meines Arztes bis zur Geburt verstrichen lediglich einige Minuten. Charlotte erblickte um 19:11 das Licht der Welt.

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    Ein grenzenloses Glück

    Noch nie war ich glücklicher im Leben. Dieser Moment, in dem das Kind rauskam und mir in die Arme gelegt wurde, ist unbeschreiblich und ich möchte ihn nicht missen. Dieses kleine Baby, das aus mir rauskam, nicht wusste, wo es war und voller Vertrauen die Nähe seiner Mutter suchte. Plötzlich weinte ich bitterlich, die ganze Anspannung liess los. Ich heulte wie ein Schlosshund. Die Hebamme und mein Mann trösteten mich und sprachen mir gut zu, dass jetzt alles geschafft sei. Ich nannte meine Hebamme einen Engel. Dann verlor ich das Bewusstsein.

    Eine positive Geburtserfahrung

    ine Geburt ist eine Extremsituation und die ersten Tage mit Baby eine Herausforderung. Alleine hätte ich das nicht so gut überstanden. Schon kurz nach der Geburt war ich mir sicher, dass ich auf jeden Fall noch ein zweites Kind wollte und wieder eine natürliche Geburt haben möchte. Eine Geburt ist zwar nicht immer leicht, aber wir Frauen können das. Die Natur hat uns so gestaltet, dass wir Kinder zur Welt bringen können. Man muss sich einfach darauf einlassen.

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